Dietmar Mues liest aus dem Buch:

Landung in Australien

Im Jahr 1934 fuhr Kisch an Bord des britischen Passagierschiffs „Strathaird“ nach Australien, um an dem Gesamtaustralischen Antikriegskongress teilzunehmen, der in Melbourne stattfinden sollte. Dies war eine der bekanntesten Reisen Kischs und zwar wegen der dramatischen Umstände, in denen der Schriftsteller in Australien ankam. Als Kisch schon in Fremantle an der Westküste
Australiens von Bord gehen wollte, wurde ihm der Aufenthalt an Land verweigert. Auch der Pass wurde ihm abgenommen, obwohl er ein gültiges Visum hatte, vom britischen Konsulat in Paris ausgestellt. Der Grund war die Tatsache, dass die australischen Behörden inzwischen von Kischs kommunistischer Gesinnung gehört hatten und ihn als unerwünschte Person klassifiziert hatten. Kisch fuhr mit dem Schiff weiter nach Melbourne. Dort sprang Kisch in dem Moment, in dem das Schiff den Hafen in Melbourne verlassen wollte, von der Reling aus fast sechs Meter Höhe auf den Kai und brach sich dabei ein Bein. Kisch wurde zurück an Bord transportiert, und als die „Straithard“ am 16. November im nächsten Hafen in Sydney ankam, wurde er von Bord geholt, in
das Polizeiquartier gebracht und nach langen Querelen schließlich wegen versuchter illegaler Einreise zu drei Monaten Zwangsarbeit verurteilt. In der Zwischenzeit hatte Kischs Sache in Australien für großes Aufsehen gesorgt. Die australische Linke organisierte Proteste, Streiks und Demonstrationen, wobei es beinahe zu einer Regierungskrise gekommen wäre. Schließlich wurde Kisch unter dem Druck der Öffentlichkeit freigelassen und konnte in Australien bleiben.


Egon Erwin Kisch 

1885 in Prag geboren, war ein deutschsprachiger Schriftsteller, Journalist und Reporter. Egon Erwin Kisch gilt als

einer der bedeutendsten Reporter in der Geschichte des Journalismus, vom Titel eines seiner Reportagebände ist er

auch als „der rasende Reporter“ bekannt. Egon Kisch verstarb 1948 in Prag.

 

Dietmar Mues

1945 in Dresden geboren, ist ein deutscher Theater- und Filmschauspieler, Drehbuchautor und Schriftsteller.

Bekannt ist er auch als Sprecher von Hörspielen und durch Lesungen. Er trat bisher in zirka neunzig Film- und

Fernsehrollen auf. Er ist mit Sibylle Mues (geb. Buda), einer Lehrerin, verheiratet und hat drei Söhne, Wanja, Jona und

Woody. Dietmar Mues lebt seit 1973 in Hamburg.

 

 

Donnerstag, 03.06.2010  |  19:30 Uhr  |  Eintritt 8 Euro
Museumsschiff Cap San Diego |  Luke 5 (Leider kein Aufzug) Liegeplatz Überseebrücke  |  20459 Hamburg

S-Bahn: S1/S3 Station Landungsbrücken

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